BRUNSBÜTTEL MAGAZIN

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Kaufleute hoffen auf Normalität

11. Oktober 2020 – erster verkaufsoffener Sonntag nach dem Lockdown 


Freuen sich auf den Shopping-Sonntag am 11. Oktober 2020 in Brunsbüttel: Rüdiger Freiwald und Nina Wöhst.

 


Die Corona-Pandemie hat Spuren in der Geschäftswelt hinterlassen. Im Gespräch mit Redakteur Jens Neumann schildern Rüdiger Freiwald und Nina Wöhst vom Verein für Handel, Gewerbe und Industrie (HGI) Brunsbüttel wie die Mitglieder durch die Krise gekommen sind – und wagen einen vorsichtigen Blick in die Zukunft.

Herr Freiwald, hätten Sie im Frühjahr gedacht, dass sich die Beschränkungen so lange hinziehen würden?

Rüdiger Freiwald: Ehrlich gesagt: nein. Ich hatte erwartet, dass die Sache nach 14 Tagen zu Ende ist – und danach wieder halbwegs Normalität einkehrt.

Es ist anders gekommen: Was bedeutet das für die Kaufmannschaft?

Rüdiger Freiwald: Totalausfall. Viele Einzelhändler haben im Frühjahr mehrere Wochen schließen müssen. Für Geschäfte mit Sommerware war das natürlich ein Riesenproblem. Die Lager sind noch immer voll. Auch die Gastronomie hat brach gelegen und leidet weiterhin an den Beschränkungen.

Gibt es Geschäfte in Brunsbüttel, die die Corona-Zeit nicht überstanden haben?

Rüdiger Freiwald: Mir persönlich ist aktuell keins bekannt. Die Zahlen kommen sicherlich erst in den nächsten Monaten auf den Tisch, wenn die Banken erkennen, dass die Umsätze nicht ausreichen, um Kredite zu tilgen und laufende Kosten zu decken.

Frau Wöhst, wie kann der Gewerbeverein seinen Mitgliedern helfen?

Nina Wöhst: Gute Frage. Außer Ratschlägen bleibt uns ja nicht viel. Wir haben noch versucht, ein paar Aktionen zu starten. Angesichts der gesetzlichen Vorgaben konnten wir die aber nicht mehr umsetzen. Da waren uns die Hände gebunden. In einem Punkt haben wir konkret geholfen: Wir haben die Mitgliedsbeiträge ausgesetzt – und für ein halbes Jahr Aufschub gewährt. Das hilft kleinen Betrieben ein Stück weiter.

 

Herr Freiwald, die Paketdienste haben in dieser Wochen Hochkonjunktur: Was muss der lokale Handel tun, um Kunden zurück zu gewinnen?

Rüdiger Freiwald: Ganz einfach: Auch online anbieten. Der Kunde muss das komplette Sortiment der örtlichen Händler im Internet finden. Das ist kein neuer Trend. Corona hat das Thema nur noch einmal verstärkt. Die Kunden haben sich doch längst daran gewöhnt, dass sie woanders gucken müssen, wenn sie den Artikel nicht sofort in der entsprechenden Größe oder Farbe im ersten Geschäft finden. Dann nehmen sie zuhause ihr Tablet – und bestellen online. Und darauf müssen die Einzelhändler vor Ort reagieren. Wenn Kunden etwas im Netz suchen, muss sofort der Hinweis aufploppen, dass es dieses Produkt im Geschäft Meier in der Koogstraße gibt.

Wie können Sie die Mitglieder motivieren, sich stärker mit dem Online-Geschäft zu beschäftigen?

Rüdiger Freiwald: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir werden das Internet-Shopping nicht aufhalten können. Spätestens wenn keine Umsätze mehr kommen, muss man sich überlegen, wie man vorgeht, um Kunden wieder in den Laden zu holen.

Frau Wöhst, zu den großen Aushängeschildern des Gewerbevereins gehören Veranstaltungen wie der Westküsten-Flohmarkt oder die verkaufsoffenen Sonntage. Wie geht es damit weiter?

Nina Wöhst: Den Flohmarkt haben wir vor wenigen Tagen für dieses Jahr endgültig abgesagt. Den ersten verkaufsoffenen Sonntag nach dem Lockdown wird es am 11. Oktober geben. Das war uns bisher nicht erlaubt. Wir hoffen auf gute Umsätze in den Geschäften.

Viele Kunden, gute Umsätze – und trotzdem den nötigen Abstand wahren: Schließt sich das nicht aus?

Nina Wöhst: Wir setzen darauf, dass alle Besucher des verkaufsoffenen Sonntags so vernünftig sind und die Läden mit Mund-Nasen-Schutz betreten – oder kurz warten, wenn die Geschäfte voll sind. Ein bisschen Geduld ist an diesem Tag sicherlich angebracht. Aber das sind wir ja mittlerweile auch schon so gewohnt…

Wird es einen Weihnachtsmarkt in Brunsbüttel geben?

Nina Wöhst: Wenn es nach uns geht, sehr gerne. Wir stehen in den Startlöchern. Allerdings ohne Zelt und Eistockschießen. Das würden wir in diesem Jahr nicht genehmigt bekommen.

Herr Freiwald, was ist Ihre größte Hoffnung für 2021?

Rüdiger Freiwald: Dass es einen Impfstoff gibt. Damit sich die Menschen wieder freier bewegen können und zum Shoppen in die Geschäfte in die Innenstadt kommen.

Letzte Frage: Seit drei Jahren führen Sie den Gewerbeverein als zweiter Vorsitzender kommissarisch. Warum ist es so schwer, einen Vorsitzenden zu finden?

Rüdiger Freiwald: Ganz einfach: Es gibt heute nicht mehr so viele Leute, die sich in ihrer Freizeit engagieren und etwas voranbringen wollen. Ich bin eigentlich sehr froh, dass wir in unserem Verein ein junges Vorstandsteam haben, das gemeinsam etwas für die Stadt und die Kaufmannschaft tut. Wenn einer eine Idee hat, versucht er die anderen zu überzeugen. Wir reden nicht nur darüber, sondern wir machen es!

 

Bildinformation: © Jens Neumann